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Warum das Ehrenamt ausstirbt

Ehrenamtliches Engagement geht immer mehr zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch was über alle Gebiete des ehrenamtlichen Engagements hinweg immer wieder auftaucht ist eine Frustration über die mangelnde Anerkennung dessen, was man leistet und beiträgt. Auch im Bereich des Wildtierschutzes begegnen unseren Kolleginnen und Kollegen und uns immer wieder Mitmenschen, deren Perspektive oder Ignoranz einen an den Rand der Verzweiflung bringen kann.

In unserem Fall engagiert sich unsere Praxis schon immer im Bereich der tierärztlichen Versorgung von Wildtieren - oft sogar unentgeldlich. Die Versorgung von Wildtieren in Kleintierpraxen ist keineswegs verpflichtend, viele Tierärztinnen und Tierärzte lehnen die Behandlung von Wildtieren ab, aufgrund des enormen Mehraufwands, der Bindung von Ressourcen, die ggf. nicht vollständig in Rechnung gestellt werden können, und nicht zuletzt auch aufgrund mangelnder Expertise, denn Wildtiermedizin ist nicht Teil der Veterinärausbildung.

Privat bringen wir bei unserer Eichhörnchenstation zur Hochsaison rund 40 bis 50 Stunden pro Kopf pro Woche ein, um die Tiere aufzupäppeln, artgerecht aufzuziehen, auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten und unter optimalen Bedingungen zurück in ein eigenständiges Leben zu entlassen. Das ist mehr als die gewöhnliche Vollzeitstelle. Dies erfolgt zusätzlich zu unserer Berufstätigkeit und familiärer Verpflichtungen und ist vollständig unbezahlt. Dazu gehören auch regelmäßige Nachtschichten, medizinische Betreuung, und viel Knowhow. Hinzu kommt die nicht unerhebliche finanzielle Last eines solchen privaten Engagements (die Kosten für die artgerechte Aufzucht eines Wildtiers liegen durchschnittlich zwischen 250 und 1000 Euro, abhängig von Tierart, Alter und gesundheitlichen Zustand), die emotionale Belastung und die Selbstverständlichkeit, mit der man das eigene Privat- und Sozialleben oft hintenanstellt.  

Fassungslos lassen uns dann diejenigen zurück, die entweder mit einer völligen Selbstverständlichkeit der Meinung sind, dass sie ein Wildtier behalten bzw. selbst aufziehen können, weil das so ein schönes Projekt für die Kinder sei oder Mitbürger/Mitbürgerinnen, die es für selbstverständlich erachten, dass wir zusätzlich auch noch ein Transportunternehmen stemmen sollen, was die Fundtiere überall abholt.

 

An dieser Stelle dazu einmal ganz deutliche Worte: Wildtiere sind keine Kinderspielzeuge.

 

Zur Aufzucht gehört weit mehr als eine kurze bis mittellange Internetrecherche und ein wenig Begeisterung. Meist verenden diese Tiere qualvoll. Selbst wenn das Tier entgegen aller Wahrscheinlichkeit groß wird, so liegen seine Überlebenschancen bei nicht-tiergemäßer Auswilderung nahezu bei 0 Prozent. 

Wir halten es außerdem für vertretbar, dass uns Fundtiere von den Findern gebracht werden. Ist ein Finder/ eine Finderin wirklich nicht mobil, so lassen sich oft Nachbarn, oder Bekannte und Verwandte finden, die dies übernehmen können. Wir können nicht, zusätzlich zu unserem sehr umfänglichen Engagement, die rund 60 bis 80 Eichhörnchen pro Jahr und gut 30 bis 50 weitere Wildtiere, die von uns an andere kompetente Stellen weitergeleitet werden, auch noch selbst abholen. Damit wäre die Versorgung der Tiere auf Station nicht mehr uneingeschränkt möglich, die finanziellen Ausgaben würden exponentiell ansteigen, und an eine ordentliche Berufstätigkeit (mit der wir unser ehrenamtlichen Engagement maßgeblich finanzieren) wäre dann auch nicht mehr zu denken. 

Keiner unserer Kontakte aus dem Wildtierengagement oder wir selbst möchten, dass man uns regelmäßig auf die Schulter klopft. Aber angemessener Respekt, vor dem war hier geleistet wird und ein höflicher Umgangston gehört zu den Ansprüchen, die wir durchaus stellen. Anpöbeleien, persönliche Angriffe, schlichte Ignoranz oder maßlose Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, die uns leider bei unserer Arbeit viel zu oft begegnen, tragen dazu bei, dass man sich manchmal fragt, warum man sich das antut.

Die Antwort liegt in der Überzeugung, dass ehrenamtliches Engagement wichtig ist für unsere Gesellschaft und das Wildtiere aufgrund schwindender Lebensräume und Nahrungsquellen auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Hinzu kommen viele Menschen, die sehen, wie viel Arbeit und Herzblut wir in unser Engagement stecken und dies auf verschiedenste Art unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar und es hilft uns dabei, unsere Arbeit fortzusetzen. 

Hier nochmal in aller Kürze die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Wildtieraufzucht gehört immer in die Hände von Fachleuten
  • junge Wildtiere sind kein Kinderspielzeug oder "Projekt" für Laien
  • respektvoller Umgang ist ein fundamentaler Bestandteil gesellschaftlichen Zusammenlebens - auch im Dialog mit Ehrenamtlichen
  • die medizinische Versorgung von Wildtieren in Praxen stellt einen enormen Mehraufwand dar
  • nein, die meisten Wildtierstationen können nicht alle Fundtiere selbst abholen; in aller Regel bringen die Finder die Fundtiere zur Station